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Beispiele für FuE-Vorhaben

Der Forschung und Entwicklung (FuE) zuzuordnen sind Vorhaben, die auf Neuentwicklungen oder wesentliche Verbesserungen von Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen abzielen, die mit ihren Funktionalitäten, Parametern oder Merkmalen die bisherigen Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen deutlich übertreffen. Gefördert werden u. a. Leistungen von der konzeptionellen Phase bis hin zur Prototypentwicklung, dem Bau und Test eines Prototyps oder einer Pilotlinie.

Die Tätigkeit kann als FuE angesehen werden, wenn mit Abschluss des Vorhabens ein wissenschaftlicher bzw. technischer Fortschritt verbunden ist oder eine wissenschaftliche Unsicherheit beseitigt wird.

 

In der Prüfung legt die BSFZ die drei übergeordneten Kriterien Neuartigkeit, Risiko / Unwägbarkeit und Planmäßigkeit zugrunde, die sich an den Begriffsbestimmungen der AGVO und des Frascati-Handbuchs der OECD orientieren. Die Kriterien definieren sich wie folgt:

  • Das Kriterium der Neuartigkeit setzt voraus, dass die Arbeiten darauf abzielen, neue Kenntnisse und Fertigkeiten zu gewinnen oder vorhandene wissenschaftliche, technische, wirtschaftliche oder sonstige einschlägige Erkenntnisse und Fertigkeiten, Konzepte, Strategien, Methoden oder Technologien (Stand der Technik) in neuer Weise zu nutzen. Dies erfolgt mit dem Ziel, neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen zu entwickeln oder wesentliche Verbesserungen bei bestehenden Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen bzw. die Erschließung neuer Geschäftsmodelle bzw. Methoden herbeizuführen.
    Das Kriterium der Neuartigkeit ist auch dann erfüllt, wenn es sich um experimentelle oder theoretische Arbeiten handelt, die in erster Linie dem Erwerb neuen Grundlagenwissens ohne erkennbare direkte kommerzielle Anwendungsmöglichkeiten dienen.
  • Das Kriterium Risiko / Unwägbarkeit ist dann erfüllt, wenn wissenschaftliche bzw. technische Hemmnisse, Risiken oder Herausforderungen bestehen, die die Zielerreichung gefährden und so im Extremfall zum Scheitern des Vorhabens führen könnten. Rein wirtschaftliche Risiken sind für die Prüfung unerheblich.
  • Das Kriterium der Planmäßigkeit erfordert, dass die Arbeiten genau definierte Aufgaben wissenschaftlicher oder technischer Art mit klar festgelegten Zielen beinhalten. Die Planung der durchzuführenden Tätigkeiten erfolgt etwa über einen Zeit- bzw. Arbeitsplan mit entsprechender Ressourcen- und Personalplanung, Arbeitspaketen und ggf. Meilensteinen oder durch die Darstellung einzelner Verfahrensschritte und der jeweils erwarteten (Zwischen-)Ergebnisse.


Für die Erteilung einer Bescheinigung nach § 6 FZulG müssen alle drei Kriterien erfüllt sein.

 

Neuentwicklungen oder wesentliche Verbesserungen betreffen beispielsweise neue Dienstleistungen, die durch Digitalisierung möglich werden, etwa in den Bereichen Produktion, Logistik, Bezahlung oder Maschinensteuerung. Eingeschlossen sind auch Neuentwicklungen im Bereich finanz- oder versicherungsmathematischer Methoden zur Risikoabschätzung oder Forschungen zur Entwicklung neuer Algorithmen, ebenso wie die Entwicklung oder wesentliche Verbesserung von Software-Komponenten, Betriebssystemen oder Programmiersprachen.

Grundsätzlich förderfähig ist beispielsweise eine intelligente und selbstlernende Gestaltung von Industrie- und Fertigungsprozessen unter Zuhilfenahme von Industrie 4.0-Methoden, die z. B. dazu führt, dass Null-Fehler-Toleranzen besser eingehalten oder die Wirtschaftlichkeit für Kleinserien gesteigert werden können. Um förderfähige FuE-Aktivitäten handelt es sich auch, wenn beispielsweise neue effizientere Algorithmen auf Basis neuer Technologien und wissenschaftlicher Erkenntnisse, wie z. B. im Bereich Künstlicher Intelligenz, entwickelt werden.

Die reine Verwendung bereits bekannter Produkte, Verfahren oder Vorgehensweisen ist dagegen grundsätzlich nicht förderfähig. Wird beispielsweise eine Augmented-Reality-Brille erstmals zur Steuerung einer speziellen Maschine oder eines betrieblichen Prozesses genutzt, stellt dies keine förderfähige FuE-Tätigkeit dar, da die industrielle Anwendung von AR-Brillen grundsätzlich den Stand der Technik darstellt.

Grundsätzlich nicht förderfähig sind wiederkehrende und routinemäßige Änderungen an bestehenden Produkten und Verfahren sowie (Qualitäts-)Kontrollen. Fernerhin nicht förderfähig sind die Entwicklung von Management-Systemen und Entwicklungen, bei welchen den Lösungsansätzen betriebswirtschaftliche (nicht technologische) Konzepte zugrunde liegen, wie:

  • Marktforschung (Bedarfsanalysen, Analyse der Konkurrenzprodukte), Produktionsanlauf
  • Vorhaben mit dem primären Ziel der Marktentwicklung
  • Kundenakquisitionen
  • Erarbeitung von Produktionshandbüchern und Qualitätssicherungsrichtlinien
  • Support, Vertrieb, Kundenschulungen/Testungen
  • administrative und juristische Patent- und Lizenzarbeiten, die nicht in direkter Verbindung mit FuE-Projekten stehen